Machbarkeitsstudie für Bestandsgebäude

Bevor geplant wird: prüfen, was auf Ihrem Grundstück zulässig, konstruktiv möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist

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Die Frage vor der Planung

„Kann ich mein Haus aufstocken?“, „Lässt sich das Dach ausbauen?“, „Passt ein Anbau auf das Grundstück?“ – am Anfang steht selten ein Entwurf, sondern eine Frage. Und die Antwort entscheidet darüber, ob sich eine Planung überhaupt lohnt.

Eine Machbarkeitsstudie beantwortet diese Frage, bevor Planungsleistungen beauftragt werden. Sie untersucht das konkrete Gebäude auf seinem konkreten Grundstück und sagt, ob und in welcher Form eine Erweiterung möglich ist – oder eben nicht.

Ein klares Nein nach wenigen Wochen ist wertvoller als eine Planung, die in der Genehmigung scheitert.

Was ist eine Machbarkeitsstudie?

Eine Machbarkeitsstudie ist eine Untersuchung vor der eigentlichen Planung. Sie klärt die Rahmenbedingungen eines Bauvorhabens im Bestand und stellt die realistischen Möglichkeiten einander gegenüber.

Sie ist damit etwas anderes als:

Die Machbarkeitsstudie steht vor all dem. Sie schafft die Grundlage, auf der diese Schritte überhaupt sinnvoll beauftragt werden können.

Wann sich eine Machbarkeitsstudie lohnt

Vor dem Kauf einer Immobilie

Wenn der Kaufpreis nur aufgeht, falls sich zusätzliche Fläche schaffen lässt. Ob das Dachgeschoss ausbaubar ist oder eine Aufstockung zulässig wäre, entscheidet dann über den Wert des Objekts – und sollte vor dem Notartermin geklärt sein, nicht danach.

Vor der Beauftragung einer Planung

Planungsleistungen kosten Geld, bevor klar ist, ob gebaut werden darf. Eine vorgeschaltete Untersuchung begrenzt dieses Risiko auf einen überschaubaren Betrag.

Bei Eigentümergemeinschaften

Eine WEG muss über ein Vorhaben beschließen, bevor sie es beauftragt. Dafür braucht sie eine belastbare Grundlage, die alle Beteiligten verstehen: was möglich ist, welche Varianten es gibt und in welcher Größenordnung sich die Kosten bewegen.

Bei Bestandshaltern und Genossenschaften

Wo mehrere Gebäude in Frage kommen, hilft die Studie bei der Reihenfolge. Sie zeigt, welche Objekte das beste Verhältnis von gewinnbarer Fläche zu Aufwand haben und welche man vorerst zurückstellt.

Was geprüft wird

Fünf Themenfelder bestimmen, ob eine Erweiterung im Bestand funktioniert. Sie hängen voneinander ab und werden deshalb gemeinsam betrachtet.

Baurecht

Bebauungsplan oder Umgebungsbebauung, zulässige Gebäudehöhe und Geschosszahl, Maß der baulichen Nutzung, überbaubare Grundstücksfläche und Abstandsflächen. Dazu kommen Erhaltungs- und Milieuschutzsatzungen sowie Denkmalschutz, die in Berlin häufig eine Rolle spielen.

Bestand und Tragfähigkeit

Was trägt das vorhandene Gebäude? Geprüft wird der gesamte Lastabtrag von den Decken über die Wände bis in die Gründung, nicht nur der obere Abschnitt. Da Bestandsgebäude oft von den vorhandenen Plänen abweichen, steht am Anfang eine Bestandsaufnahme.

Brandschutz und Erschließung

Rettungswege, Treppenraum, Anforderungen an Bauteile. Bei zusätzlichen Wohneinheiten steigen die Anforderungen sprunghaft – hier scheitern Vorhaben häufiger als an der Statik.

Grundriss und Nutzung

Ob die gewonnene Fläche tatsächlich brauchbar ist, hängt an Belichtung, Raumhöhen, Zuschnitt und der Anbindung an den Bestand. Zusätzliche Quadratmeter allein sind noch kein Gewinn.

Wirtschaftlichkeit

Das Verhältnis von gewonnener Fläche zum Gesamtaufwand, einschließlich der Eingriffe in den Bestand, der Haustechnik und der erforderlichen Ertüchtigungen. Dieser Punkt entscheidet am Ende häufiger als das Baurecht.

Warum diese Punkte nicht nacheinander geprüft werden

Es liegt nahe, zuerst das Baurecht zu klären und danach die Statik. In der Praxis führt das selten zu einem brauchbaren Ergebnis, weil die Felder sich gegenseitig bedingen.

Ein Beispiel: Das Baurecht erlaubt ein weiteres Vollgeschoss. Der Bestand trägt diese Last aber nur, wenn in Leichtbauweise gearbeitet wird. Der Brandschutz verlangt ab einer bestimmten Zahl von Wohneinheiten einen zweiten Rettungsweg, der sich im vorhandenen Treppenhaus nicht unterbringen lässt. Am Ende ist eine Teilaufstockung mit weniger Einheiten sinnvoll – eine Lösung, auf die keine der drei Einzelprüfungen für sich gekommen wäre.

Deshalb ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie meist kein einfaches Ja oder Nein, sondern die eine Variante, die unter allen Bedingungen zugleich funktioniert.

Was am Ende vorliegt

Die Studie schließt mit einer Unterlage ab, die als Entscheidungsgrundlage taugt – auch für Menschen, die keine Bauplanung lesen:

Fällt die Antwort negativ aus, steht auch das darin – mit der Begründung, woran es liegt. Das ist kein schlechtes Ergebnis, sondern ein frühes.

Was steckt in Ihrem Gebäude?

Für eine erste Einordnung genügen die Lage, ein paar Fotos und die vorhandenen Unterlagen. Daraus lässt sich sagen, ob und mit welchem Umfang eine Machbarkeitsstudie sinnvoll ist.

Gebäude prüfen lassen

Wie eine Machbarkeitsstudie abläuft

Erstgespräch

Grundstück, Gebäude, Ihre Zielsetzung. Daraus ergibt sich, welche Fragen überhaupt zu klären sind und welchen Umfang die Untersuchung braucht. Umfang und Honorar werden vorher besprochen.

Unterlagen und Bestandsaufnahme

Vorhandene Pläne, Fotos, Angaben zum Gebäude. Wo Unterlagen fehlen oder erkennbar vom Bestand abweichen, gehört ein Aufmaß dazu.

Untersuchung

Die fünf Themenfelder werden gemeinsam betrachtet und mehrere Varianten entwickelt und gegeneinander abgewogen.

Besprechung

Die Ergebnisse werden durchgesprochen, nicht nur übergeben. Bei Eigentümergemeinschaften auch in der Versammlung, wenn das gewünscht ist.

Für welche Vorhaben

Untersucht werden Erweiterungen von Wohngebäuden im Bestand, einzeln oder in Kombination:

Dachausbau: vorhandenen Dachraum nutzen →
Dachaufstockung: das Gebäude nach oben erweitern →
Hausanbau: in der Fläche erweitern →
dachcubes: Aufstockung im Modulbau →

Nicht selten ergibt die Untersuchung, dass eine Kombination sinnvoller ist als der ursprünglich angedachte Weg.

Machbarkeitsstudie, Bauvoranfrage oder Genehmigungsplanung?

Die drei Begriffe werden häufig verwechselt. Sie beantworten unterschiedliche Fragen und stehen in einer Reihenfolge.

MachbarkeitsstudieBauvoranfrageGenehmigungsplanung
Ist etwas möglich?Ist ein Punkt genehmigungsfähig?Vorhaben zur Genehmigung bringen
mehrere Varianteneine konkrete Frageeine Lösung
intern, als Entscheidungsgrundlageverbindliche Auskunft der BehördeAntrag bei der Behörde
steht am Anfangsichert einzelne Risiken abfolgt der Entscheidung

Ergibt die Studie, dass ein einzelner baurechtlicher Punkt das gesamte Vorhaben trägt, ist eine Bauvoranfrage der folgerichtige nächste Schritt.

FAQs

Häufige Fragen zur Machbarkeitsstudie

Das hängt vom Umfang ab: von der Größe und Art des Gebäudes, davon wie viele Varianten untersucht werden und davon, wie vollständig die vorhandenen Unterlagen sind. Ein Einfamilienhaus mit brauchbaren Bestandsplänen ist etwas anderes als ein Mehrfamilienhaus ohne Unterlagen. Umfang und Honorar werden vor Beginn festgelegt, damit der Aufwand kalkulierbar bleibt.
Hilfreich sind vorhandene Bauzeichnungen, ein Lageplan, Angaben zu Baujahr und Konstruktion sowie Fotos von innen und außen. Fehlen Unterlagen, ist das kein Ausschlussgrund – dann gehört eine Bestandsaufnahme zum Umfang. Bei Bestandsgebäuden weichen vorhandene Pläne ohnehin häufig vom gebauten Zustand ab.
Das richtet sich nach dem Umfang und danach, wie schnell die benötigten Auskünfte vorliegen. Behördliche Auskünfte, etwa zum Bebauungsplan oder zum Denkmalschutz, bestimmen den Zeitplan oft stärker als die eigentliche Untersuchung. Ein realistischer Zeitraum wird im Erstgespräch genannt.
Eine Machbarkeitsstudie ist eine fachliche Einschätzung, keine behördliche Zusage. Verbindlichkeit schafft nur die Behörde selbst, über eine Bauvoranfrage oder die Baugenehmigung. Die Studie sagt Ihnen aber, ob eine Bauvoranfrage überhaupt Aussicht auf Erfolg hat und worauf sie sich richten sollte.
Immer dann, wenn der Kaufpreis davon abhängt, dass sich zusätzliche Fläche schaffen lässt. Ob ein Dachgeschoss ausbaubar oder eine Aufstockung zulässig ist, entscheidet über den Wert des Objekts. Diese Frage nach dem Kauf zu klären, ist die teurere Reihenfolge. In der Kürze der Zeit vor einem Notartermin ist oft auch eine eingegrenzte Ersteinschätzung möglich.
Dann steht in der Studie, woran es liegt. Das ist ein brauchbares Ergebnis: Es verhindert Planungskosten für ein Vorhaben, das nicht genehmigungsfähig oder nicht wirtschaftlich wäre. Häufig zeigt die Untersuchung zugleich, welcher andere Weg gangbar wäre – etwa ein Anbau statt der Aufstockung.
Ja, dafür ist sie besonders geeignet. Eine WEG muss beschließen, bevor sie beauftragt, und braucht dafür eine Grundlage, die alle Eigentümer nachvollziehen können. Der Variantenvergleich mit räumlicher Darstellung und grober Kosteneinordnung ist genau dafür gedacht. Die Ergebnisse lassen sich auf Wunsch in der Eigentümerversammlung vorstellen.

Kontakt

Haben Sie Fragen zum Potenzial Ihres Gebäudes? Wir beraten Sie gerne – unverbindlich und kompetent.


büro für architektur | Hardy Krüger

Hardy Krüger Dipl.Ing. (FH) m.a.
Danziger Str. 60
D-10435 Berlin

Projektraum
Studio Siebzehntausend
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