Ein Arbeitszimmer fehlt, die Familie ist gewachsen, das Wohnzimmer reicht nicht mehr. Wer nicht umziehen will, steht vor der Frage, ob sich das vorhandene Haus erweitern lässt.
Ein Hausanbau erweitert ein Gebäude in der Fläche, meist zur Seite oder in den Garten. Anders als bei einer Aufstockung bleibt die Höhe unverändert, dafür wird Grundstücksfläche überbaut. Das macht ihn baurechtlich zu einer anderen Aufgabe: Nicht die Gebäudehöhe entscheidet, sondern wie viel des Grundstücks bebaut werden darf und welche Abstände zum Nachbarn einzuhalten sind.
Wir prüfen an Bestandsgebäuden in Berlin und Brandenburg, welche Erweiterung zulässig, sinnvoll und wirtschaftlich ist.
Ein Hausanbau ist die Erweiterung eines bestehenden Gebäudes in der Grundfläche. Er schließt an den Bestand an, hat eine eigene Gründung und vergrößert die überbaute Fläche des Grundstücks.
Davon zu unterscheiden sind die beiden anderen Wege, im Bestand Wohnraum zu gewinnen: Beim Dachausbau wird vorhandener Dachraum genutzt, bei der Aufstockung wächst das Gebäude nach oben. Der Anbau ist der einzige der drei, der zusätzliche Grundstücksfläche beansprucht.
Daraus folgt, was zuerst zu klären ist. Nicht die Statik des Bestands steht im Vordergrund, sondern das Baurecht: das zulässige Maß der baulichen Nutzung, die Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken und die Frage, wie der neue Teil an das vorhandene Haus anschließt.
Welche Form infrage kommt, ergibt sich aus dem Grundstückszuschnitt, dem Baurecht und daraus, welche Räume fehlen.
Ein klar abgesetzter Baukörper neben dem Haus, meist mit eigener Dachform. Der Kubus-Anbau ist gestalterisch die deutlichste Lösung: Alt und Neu bleiben als zwei Bauteile lesbar, statt den Bestand nachzuahmen. Er eignet sich, wenn seitlich genug Grundstück und Abstand zur Nachbargrenze vorhanden ist.
Die Erweiterung wächst nach hinten, häufig mit großen Öffnungen zum Garten. Typisch für Wohnküchen und Wohnbereiche, die Anschluss an die Terrasse bekommen sollen. Straßenseitig bleibt das Haus unverändert, was im Milieuschutzgebiet oder bei erhaltenswerter Fassade ein Vorteil ist.
Die Erweiterung sitzt nicht auf dem Boden, sondern kragt aus oder steht auf Stützen, etwa über einer Terrasse oder einem Carport. Das spart überbaute Grundfläche und ist dann interessant, wenn das zulässige Maß der Bebauung bereits ausgeschöpft ist.
Bei Gründerzeit- und Bestandsbauten stellt sich die Gestaltungsfrage besonders: angleichen oder absetzen. Ein moderner Anbau am Altbau funktioniert meist besser, wenn er sich in Proportion und Material bewusst unterscheidet, statt historische Details nachzubilden.
Ob angebaut werden darf, entscheidet in erster Linie das Baurecht, nicht die Konstruktion. Fünf Punkte sind zu klären, und sie hängen voneinander ab.
Maßgeblich sind Bebauungsplan oder die Umgebungsbebauung. Geregelt sind dort die zulässige Grundfläche, oft über die Grundflächenzahl, und die überbaubare Fläche des Grundstücks, häufig über Baugrenzen. Ist das Maß bereits ausgeschöpft, scheidet ein ebenerdiger Anbau aus, und es bleiben Aufstockung oder auskragende Lösungen.
Jede Außenwand verlangt einen Abstand zur Grundstücksgrenze, dessen Tiefe sich aus der Wandhöhe ergibt. Gerade beim seitlichen Anbau ist das häufig der begrenzende Faktor. In bestimmten Fällen ist ein Anbau an die Grenze möglich, etwa bei geschlossener Bauweise oder mit Zustimmung der Nachbarn.
Der Anbau braucht eine eigene Gründung, die zum vorhandenen Baugrund passt. Zu klären sind Gründungstiefe, mögliche Setzungsunterschiede und der konstruktive Anschluss an den Bestand. Wo die vorhandene Außenwand geöffnet wird, um beide Bereiche zu verbinden, ist eine statische Ertüchtigung erforderlich.
Ein Anbau nützt wenig, wenn er den vorhandenen Grundriss zerschneidet. Häufig ist der Eingriff in den Bestand aufwendiger als der Neubauteil selbst, weil Wege, Belichtung und Raumfolgen neu geordnet werden müssen.
Entscheidend ist das Verhältnis von gewonnener Fläche zum Gesamtaufwand aus Neubauteil, Eingriff in den Bestand, Gründung und Haustechnik. Zwei ähnlich große Anbauten können sich deutlich unterscheiden, je nachdem wie tief in das vorhandene Haus eingegriffen wird.
Diese fünf Punkte lassen sich nicht einzeln beantworten. Erst gemeinsam ergeben sie ein belastbares Bild davon, ob und in welcher Form ein Anbau möglich ist.
Eine erste Einschätzung beginnt mit dem Grundstück, dem vorhandenen Gebäude und Ihren Vorstellungen. Auf Grundlage von Plänen, Fotos und Lage lässt sich klären, welche Untersuchungen für einen möglichen Anbau sinnvoll sind.
Projekt anfragenWas eine Machbarkeitsstudie untersucht und was am Ende vorliegt →
Ein Holzanbau an ein bestehendes Haus bietet mehrere praktische Vorteile. Wände und Decken werden vorgefertigt angeliefert und montiert, wodurch die Bauzeit auf dem Grundstück kurz bleibt. Für bewohnte Häuser ist das ein erheblicher Unterschied.
Das geringere Eigengewicht wirkt sich zudem auf die Gründung aus und macht auskragende Lösungen über Terrassen oder Carports leichter umsetzbar.
Abhängig von der Gebäudesituation realisieren wir Anbauten in Fertigteil- oder Modulbauweise, unter anderem in Holzständerbauweise. Welche Konstruktion geeignet ist, hängt vom Baugrund, vom Anschluss an den Bestand und von den Anforderungen an Brand-, Schall- und Wärmeschutz ab.
Umgesetzt als vorgefertigter Holzmodulbau:
Anbau Haus R mit Arbeitsraum →
Die Kosten eines Hausanbaus lassen sich nicht sinnvoll auf einen Quadratmeterpreis verkürzen. Sie hängen stark davon ab, wie tief in den Bestand eingegriffen wird.
Wesentliche Einflussgrößen sind:
Hinzu kommen Planungs- und Genehmigungskosten sowie erforderliche Fachplanungen.
Bei einem Anbau ist deshalb die Frage „Welche Variante bringt den größten Nutzen bei vertretbarem Eingriff?“ wichtiger als ein allgemeiner Quadratmeterpreis.
Am Anfang steht nicht der Entwurf, sondern die Klärung, was auf dem Grundstück zulässig und sinnvoll ist.
Grundstück, vorhandene Unterlagen, Ihre Zielsetzung. Daraus ergibt sich, ob und mit welchem Aufwand eine genauere Untersuchung sinnvoll ist.
Prüfung des zulässigen Maßes der Bebauung, der Abstandsflächen, des Baugrunds und des Anschlusses an den Bestand. Diese Punkte werden zusammen betrachtet, nicht nacheinander.
Gegenüberstellung mehrerer Möglichkeiten, etwa seitlicher Anbau, rückwärtige Erweiterung oder eine auskragende Lösung. Erst der Vergleich zeigt, welche Variante Aufwand und Ertrag am besten ausbalanciert.
Die aussichtsreichen Varianten werden am Bestandsgebäude dargestellt. Gerade beim Anbau entscheidet sich die gestalterische Qualität daran, wie Alt und Alt zueinander stehen. Das lässt sich auf Plänen schwer beurteilen.
Einordnung der Varianten als Entscheidungsgrundlage, bevor Planungsleistungen beauftragt werden.
Drei Wege führen zu mehr Wohnraum im Bestand. Welcher infrage kommt, hängt vom Grundstück, vom Gebäude und vom Baurecht ab. Nicht selten ist eine Kombination sinnvoll.
| Anbau | Aufstockung | Dachausbau |
|---|---|---|
| erweitert in der Fläche | erweitert in der Höhe | nutzt vorhandenen Raum |
| braucht Grundstücksfläche | braucht Tragreserven | braucht Raumhöhe |
| Abstandsflächen entscheidend | Gebäudehöhe entscheidend | Dachgeometrie entscheidend |
| eigene Gründung nötig | Lastabtrag bis ins Fundament | meist geringster Eingriff |
FAQs
Haben Sie Fragen zu einem Anbau? Wir beraten Sie gerne – unverbindlich und kompetent.
Hardy Krüger Dipl.Ing. (FH) m.a.
Danziger Str. 60
D-10435 Berlin
Projektraum
Studio Siebzehntausend
Jülicher Str. 3
D-13357 Berlin