Wie gut es uns darin geht, hängt von Eigenschaften ab, die man dem Haus nicht ansieht: von der Luft, die wir einatmen, von der Temperatur der Wände, von der Feuchte, vom Licht und vom Schall.
Diese Eigenschaften sind planbar. Sie entstehen nicht zufällig, sondern durch Entscheidungen über Konstruktion, Materialien und Haustechnik.
Im Bestand sind sie schwerer herzustellen als im Neubau – weil man dort erst herausfinden muss, was überhaupt vorhanden ist.
Baustoffe geben Stoffe an die Raumluft ab: Lösemittel aus Farben, Lacken und Klebern, Formaldehyd aus Holzwerkstoffen, Weichmacher aus Bodenbelägen. Bei neuen Materialien lässt sich das über die Produktauswahl steuern.
Im Bestand kommt etwas hinzu, das die Produktauswahl nicht löst: Stoffe, die früher üblich waren und heute nicht mehr verwendet werden dürfen. Holzschutzmittel in Dachstühlen der 1960er bis 1980er Jahre, asbesthaltige Bodenbeläge und Kleber, teerhaltiger Parkettkleber, PCB in Fugenmassen. Wer ein Dachgeschoss ausbaut oder einen alten Bodenbelag entfernt, legt diese Stoffe frei.
Deshalb gehört zu jeder Sanierung im Bestand die Frage, was verbaut wurde – bevor gearbeitet wird, nicht danach. Verdachtsflächen werden im Rahmen der Planung beprobt, die Analyse übernehmen Labore, mit denen wir zusammenarbeiten.
Behaglichkeit hängt nicht an der Lufttemperatur allein, sondern auch an der Temperatur der Wände, Decken und Fenster ringsum. Eine ungedämmte Außenwand strahlt Kälte ab. In einem Raum mit 22 Grad Lufttemperatur und einer 15 Grad kalten Außenwand friert man trotz aufgedrehter Heizung.
Das ist der Grund, warum Dämmung nicht nur eine Frage der Heizkosten ist. Sie verändert, wie sich ein Raum anfühlt. Im ausgebauten Dachgeschoss kommt der umgekehrte Fall hinzu: ohne ausreichenden sommerlichen Wärmeschutz wird es unter dem Dach im Juli unbenutzbar.
Was gegen sommerliche Hitze unter dem Dach hilft →
Sinnvoll sind etwa 30 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Darunter trocknen Schleimhäute aus, darüber steigt das Risiko von Schimmel – und zwar dort, wo die Oberflächen am kältesten sind: an Wärmebrücken, in Raumecken, hinter Möbeln an der Außenwand.
Hier liegt einer der häufigsten Fehler bei Sanierungen. Neue dichte Fenster und eine gedämmte Hülle verringern den unfreiwilligen Luftwechsel erheblich. Wird das Lüften nicht mitgeplant, entsteht ein Feuchteproblem in einem Haus, das vorher keines hatte. Ein Lüftungskonzept gehört deshalb zur energetischen Sanierung dazu, nicht als Zusatz. Wir erstellen es im Rahmen der Planung in Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern.
Tageslicht bestimmt, ob ein Raum als angenehm empfunden wird, und es beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus. Entscheidend sind Größe, Lage und Ausrichtung der Fenster – und im Dachgeschoss die Frage, ob Dachflächenfenster, Gauben oder Loggien das Licht bringen. Die drei Lösungen unterscheiden sich stark darin, wie das Licht in den Raum fällt und ob es blendet.
Lärm ist eine Gesundheitsbelastung, nicht nur eine Unannehmlichkeit. Drei Wege sind zu betrachten: Schall von außen, Schall zwischen Wohnungen und Schall innerhalb der Wohnung.
Im Berliner Altbau ist die Holzbalkendecke der kritische Punkt, besonders beim Trittschall. Wer ein Dachgeschoss ausbaut oder aufstockt, schafft neue Wohneinheiten – und damit gelten höhere Anforderungen an den Schallschutz als für Räume innerhalb einer Wohnung.
Dieser Punkt lässt sich nicht messen, wirkt aber. Ob ein Raum als angenehm empfunden wird, hängt auch daran, ob die Materialien echt sind, wie Oberflächen sich anfühlen und wie Farben mit dem einfallenden Licht zusammenwirken. Materialien, die altern dürfen, ohne schäbig zu werden, sind dabei mehr wert als solche, die nur im Neuzustand gut aussehen.
Einen Neubau kann man von Anfang an gesund planen. Im Bestand muss man erst herausfinden, womit man es zu tun hat.
Das Baujahr gibt erste Hinweise darauf, welche Stoffe verbaut sein könnten. Sicherheit gibt aber nur die Untersuchung am Gebäude selbst. Hinzu kommt, dass im Bestand jede Maßnahme in ein bestehendes System eingreift: Wer die Fenster tauscht, verändert den Luftwechsel. Wer das Dach dämmt, verschiebt den Taupunkt. Wer den Grundriss öffnet, verändert die Akustik.
Deshalb lassen sich diese Fragen nicht nacheinander beantworten. Sie hängen zusammen – genauso wie Baurecht, Statik und Wirtschaftlichkeit.
Hardy Krüger ist zertifizierter Passivhausplaner (Passivhaus Institut Dr. Wolfgang Feist, Darmstadt). Behaglichkeit, Luftdichtheit und kontrollierte Lüftung sind Grundlagen dieser Planungsmethode – und lassen sich auch im Bestand anwenden. Zur Vita →
Gestaltung und Baukultur spiegeln Wohnkultur und Lebenskultur eines Menschen wider, schaffen Identifikation und Wohlbefinden. Sie haben ebenso Einfluss auf das Stadt- und Landschaftsbild, zeigen unseren geschichtlichen Werdegang. Dies ist angemessen architektonisch eigenständig und gestalterisch abgestimmt in die Planung zu integrieren.
Haben Sie Fragen zu Ihrem Vorhaben im Bestand? Wir beraten Sie gerne – unverbindlich und kompetent.
Hardy Krüger Dipl.Ing. (FH) m.a.
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